Gerstengrassaft – macht der grüne Saft gesund?

Gerste: nur Tierfutter und Grundzutat beim Bierbrauen – oder gar ein „Superfood“? Sogenannte Superfoods zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen besonders hohen Wert bestimmter oder mehrerer als gesund geltender Inhaltsstoffe haben. Marketingexperten werben damit, dass sie somit einen erhöhten gesundheitlichen Nutzen für uns hätten. Ist alles nur eine Verkaufsstrategie oder ist wirklich was dran am gesunden Gerstengrassaft?

Gerstengrassaft - Tierfutter oder Superfood?

Gerstengrassaft – Tierfutter oder Superfood?

Wobei – was ist denn eigentlich drin im Gerstengras? Fast alle positiven Berichte beziehen sich auf den japanischen Apotheker und Arzt Dr. Yoshide Hagiwara, der Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckt hatte, dass junges Gerstengras, also die frischen Triebe der gekeimten Gerstenkörner, nicht nur fast alle Vitamine und viele Mineralstoffe enthält, sondern auch eine Vielzahl weiterer gesundheitsfördernder Stoffe. Die Kombination der Inhaltsstoffe führt dazu, dass sie vom menschlichen Körper extrem gut aufgenommen und vom Stoffwechsel verarbeitet werden können. Die sogenannte Bioverfügbarkeit ist sehr hoch. Hier zeigt sich mal wieder, dass das Ganze häufig mehr ist, als die Summe der Einzelteile.

Gerstengrassaft kann bei regelmäßiger Einnahme die Entgiftung anregen und den Körper entsäuern. Die Allermeisten von uns haben ein mehr oder weniger chronisch übersäuertes Bindegewebe. Stress, Zucker, zu viel Getreideprodukte und zu viel Fleisch sind wichtige Faktoren, die zur Übersäuerung beitragen. Wir sollten eigentlich zu 80% basische Lebensmittel essen. Dies sind Obst und Gemüse! Wenn allerdings 20% der Nahrung pflanzlichen Ursprungs ist, dann ist das schon viel bei den meisten Menschen in unseren Breiten. Die zusätzliche Zufuhr basischer Mineralstoffe kann somit auf natürlichem Wege das Verhältnis von Säuren und Basen im Körper regulieren.

Einige besondere Bestandteile des Gerstengrases

Aminosäuren

Gerstengras enthält eine Vielzahl an essentiellen Aminosäuren. Aminosäuren sind Bausteine von Proteinen und somit für unsere Gesundheit lebenswichtig. Essentiell bedeutet, wir können diese Aminosäuren nicht selbst herstellen und sind daher auf die Zufuhr über die Ernährung angewiesen.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Hierbei stechen vor allem die Oligomeren Proanthocyanidine (OPC) hervor. Dies sind sehr wirksame Antioxidantien, die die schädlichen freien Radikalen im Körper abfangen können. Auf diese Weise werden unsere Zellen vor Angriffen geschützt. Die oxidative Wirkung der freien Radikalen hat viel mit unserem Alterungsprozess zu tun. Häufig ist dieser vor allem an der Haut zu sehen. Aus diesem Grunde ist zu beobachten, dass Antioxidantien helfen können, das Hautbild zu verbessern. Zusammen mit der entsäuernden Wirkung können sowohl Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Akne, aber auch Cellulite Linderung erfahren.

Enzyme

Enzyme sind Bio-Katalysatoren, wir benötigen sie für unseren Stoffwechsel. Sie ermöglichen und beschleunigen fast alle biochemischen Prozesse im Körper. Beim Menschen sind derzeit 2700 Enzyme bekannt, es werden aber noch eine hohe Zahl weiterer Enzyme vermutet. Als wichtiger Sauerstoff-Radikal-Fänger wird SOD (Superoxid-Dismutase) angesehen. Auch dieses Enzym verlangsamt aufgrund seiner antioxidativen Fähigkeiten somit die Alterungsprozesse und kann unsere Zellen vor schädlichen Einflüssen schützen. SOD ist in hohem Maße im Gerstengrassaft enthalten.

Antioxidantien

Verschiedene Antioxidantien machen das Gerstengras also so wertvoll für unsere Gesundheit. Das antioxidative Potential eines Nahrungsmittels wird in ORAC gemessen. 3g Gerstengras enthalten tatsächlich die durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene tägliche Ration Antioxidantien.

Ballaststoffe

Die Fasern des Gerstengrases sind als Ballaststoffe bestes Futter für unsere Darmbakterien. Ein gesundes Darmmilieu wird durch eine ballaststoffhaltige Ernährung gefördert. Leider nehmen die meisten Menschen nicht ausreichend Ballaststoffe zu sich. Verdauungsprobleme sind die offensichtlichste Folge hierdurch. Aber auch eine Vielzahl weiterer Erkrankungen ist auf ein gestörtes Darmmilieu zurückzuführen. Allen voran sind hier Störungen des Immunsystems wie Allergien, Unverträglichkeiten und eine erhöhte Infektanfälligkeit zu nennen.

Proteine (Eiweiß)

Proteine sind u.a. für unseren Muskelstoffwechsel wichtig. Sportler wissen das, in Fitnessstudios finden sich daher immer Angebote für Protein-Shakes. Der Eiweißgehalt des Gerstengrases liegt bei 45%, dabei ist es deutlich bekömmlicher als Proteine aus tierischer Nahrungsquelle.

Chlorophyll

Dies ist der grüne Farbstoff in den Pflanzen, mittels derer sie Sonnenlicht in chemische Energie umwandeln können. Dass grüne Gemüse wie Broccoli, Spinat und Blattsalat gesund sind, ist hinreichend bekannt. Allerdings betreiben wir Menschen keine Fotosynthese – wozu sollte uns also Chlorophyll dienen?

Gerstengras Pulver

Gerstengras Pulver

Die Struktur von Chlorophyll ist dem Häm, dem roten Farbstoff unserer roten Blutkörperchen, sehr ähnlich! Sie unterscheiden sich prinzipiell nur in einem Punkt, nämlich dass Chlorophyll ein Magnesiumatom hat, wo die roten Blutkörperchen ein Eisenatom haben. Der grüne Pflanzenfarbstoff hat einen positiven Effekt auf die Blutbildung und somit auf die Sauerstoffversorgung unserer Zellen. Die Gabe von Eisenpräparaten bei Eisenmangel in Kombination mit grünem Gemüse verbessert die Sauerstoffversorgung deutlicher.

Chlorophyll werden noch eine Reihe weiterer guter Eigenschaften zugeschrieben, wie die Stärkung des Immunsystems und eine verbesserte Zellregeneration.

Aminosäuren

Gerstengrassaft enthält eine Vielzahl an essentiellen Aminosäuren. Aminosäuren sind Bausteine von Proteinen und somit für unsere Gesundheit lebenswichtig. Essentiell bedeutet, wir können diese Aminosäuren nicht selbst herstellen und sind daher auf die Zufuhr über die Ernährung angewiesen.

Gerstengrassaft oder grüner Smoothie?

Gerstengrassaft

Gerstengrassaft

Wie Sie Gerstengras am Besten einnehmen erläutere ich Ihnen gerne bei Ihrem nächsten Termin meiner Praxis.

Quellen:

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/chlorophyll-ia.html

https://www.centrosan.com/Wissen/Naehrstoff-Lexikon/Enzyme/Enzyme-Uebersicht.php

http://orac-info-portal.de/was_kann_orac/was_bringt_der_orac_wert/

Natur und Heilen, Juni 2020