Sind Hormonstörungen Schuld, dass wir immer dicker werden?

Die Welt wird immer dicker und kränker. Woran liegt das? Was haben Hormonstörungen damit zu tun?

Täglich finden Chemikalien den Weg in unseren Körper. Diese sind zum einen giftig. Auf der anderen Seite stören sie als hormonell wirksame Stoffe unseren Hormonhaushalt und können hierdurch unter anderem Krebs, Allergien, Unfruchtbarkeit, krankhaftes Übergewicht, Diabetes auslösen.

Hormonstörungen, oder warum werden wir immer dicker und kränker? (Foto © OxfordSquare/Shotshop.com)

Hormonstörungen, oder warum werden wir immer dicker und kränker? (Foto © OxfordSquare/Shotshop.com)

Hormonwirksame Stoffe finden sich im Essen und in Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens. Kleinste Restmengen von Chemikalien führen zu Hormonstörungen in unseren Körpern. Die WHO hat 800 Substanzen identifiziert, die hormonelle Wirkungen in unserem Körper haben. Diese bringen somit unsere natürlichen Botenstoffe durcheinander. Als Beispiel drei völlig unterschiedliche Substanzen mit demselben Effekt:

  • In Tierversuchen wurde bei Mäusen, die mit synthetischen Östrogenen (weibliche Geschlechtshormone) behandelt wurden, eine ständige Gewichtszunahme und Größenwachstum festgestellt. Die Mäuse wurden vor allem fett!
  • Unterwasserfarben wurde TBT zugesetzt, um Meerestiere von Schiffrümpfen abzuhalten. TBT führt zu Hormonstörungen und wandelt Zellen in Fettzellen um.
  • Bisphenyl A (BPA) beeinflusst nicht nur die Fortpflanzung bei Mäuseversuchen, sondern die Mäuse werden immer dicker.

Alle drei Stoffe sind sogenannte „endokrine Disruptoren“. Sie gaukeln dem Körper vor, körpereigene Hormone zu sein und docken an den Zellrezeptoren an. Sie stehen alle auch im Verdacht, Diabetes zu begünstigen.

Was bestimmt, wie fett wir werden?

Die Zahl unserer Fettzellen wird am Ende der Pubertät festgelegt. Dies ist der sogenannte „Set-Point“. Als Erwachsener wird unser Gewicht dann dadurch bestimmt, wieviel Fett in diesen Fettzellen eingelagert wird – wenig Fett und der Mensch ist schlank. Fette Fettzellen hingegen erhöhen das Körpergewicht. Das Fatale ist, dass sich vor Abschluss der Pubertät die Anzahl der Fettzellen jedoch erhöhen kann. Umso mehr Fettzellen vorhanden sind, desto höher ist dann natürlich die Gefahr für Übergewicht. Kinder und Jugendliche haben also ein erhöhtes Risiko nicht nur durch falsche Ernährung, sondern auch durch Umweltfaktoren dick zu werden.

Denn unter anderem BPA verändert in Tierversuchen den Set-Point und die Art und Weise wie Fett eingelagert wird. Es ist die bei uns am häufigsten produzierte hormonell wirksame Chemikalie. BPA-haltig sind vor allem Kunststoffflaschen.

Wenn es um die Hormonwirksamkeit geht, dann gelten nicht die offiziellen, toxischen Grenzwerte für Giftstoffe. Hier sind andere Mengen relevant, denn schon kleinste Mengen eines Stoffes können das Hormonsystem stören. Winzige Mengen einer Substanz können massive Gesundheitsprobleme auslösen.

In Deutschland werden pro Jahr ½ Mio Tonnen BPA hergstellt. Die Substanz findet sich in der Luft, im Hausstaub, in Lebensmittelverpackungen oder in der Beschichtung von Konservendosen. 2020 wurde Thermopapier mit BPA europaweit verboten, bspw. in Kassenbons. Es befindet sich aber weiterhin bspw. in CDs und Autoscheinwerfern.

Hormonstörungen können eine Vielzahl von Folgen haben

Während der Schwangerschaft haben hormonelle Störungen durch Umweltgifte besonders gravierende Folgen. So können sie das Gewicht der Ungeborenen beeinflussen mit allen Folgeerkrankungen.

Umwelthormone beeinflussen auch das menschliche Immunsystem. Weichmacher in Plastik können immunmodulatorisch wirken und somit zu Asthma, Allergien und Neurodermitis führen. Die Entwicklung des Immunsystems beginnt sehr früh. Phtalate sind fettlöslich und reichern sich in eingeschweißten fetthaltigen Lebensmitteln besonders an, wie Käse, Fleisch- und Wurstwaren. Die Phtalatbelastung der Mutter steht in Relation zur Gefahr des Kindes später an Allergien oder Neurodermitis zu erkranken.

Wie nehmen wir diese Giftstoffe auf?

Die erste Dosis des Tages an endokrinen Disruptoren nehmen wir in der Regel über unsere Kosmetika ein. Deo, Cremes, Duschgels beinhalten häufig endokrine Stoffe. Jedes dritte Kosmetikprodukt in unseren Badezimmern ist laut BUND betroffen. Die Stoffe befinden sich auch in Reinigungs- und Waschmitteln.

Apps wie der Produktcheck Toxfox des BUND macht die Giftstoffe sichtbar. Es muss nur der Strichcode gescannt werden und schon erscheint eine Warnung oder eine Entwarnung. Sonnenschutzmittel sind im Übrigen besonders belastet, denn sie haben eine östrogene Wirkung.

Alle diese Substanzen werden effektiv resorbiert und können im Blut nachgewiesen werden. Der Kontakt mit verschiedenen Substanzen führt zu einem regelrechten Hormoncocktail in unserem Körper. Jede Substanz ist vielleicht für sich genommen unschädlich – zusammen als Cocktail können sie aber sogar die Tumorbildung begünstigen. Dies führt hauptsächlich zu Brust-/Prostata-/Uterus- und Schilddrüsen Karzinomen. Diese Tumore wachsen hauptsächlich bei Jugendlichen, die als Kinder vielen dieser Substanzen ausgesetzt waren – vor allem BPA.

Auch Tritan in unzerbrechlichen Kunststofftrinkflaschen hat eine nachweisbare östrogenhaltige Wirkung.

Folgeprobleme entstehen leider auch dadurch, dass das ausgediente Plastik die Weltmeere verseucht. Fische nehmen diese Kunststoffe auf und somit gelangen diese in unsere Nahrungskette.

Erhöht Levothyroxin das Krebsrisiko?

Gesundheitliche Folgen haben nicht nur die „nebenbei“ eingenommene Hormone, sondern auch künstliche Hormone, die als Medikamente eingenommen werden. Das Schilddrüsenmedikament L-Thyroxin gehört zu den meist verschriebensten Arzneimitteln in Deutschland. Im Jahr 2014 war es das zweithäufigste Präparat auf den ausgestellten Rezepten. Generell wird die Meinung vertreten, Levothyroxin habe keine Nebenwirkungen, da es ja nur bei Menschen, die an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, die zu wenig gebildeten Hormone ersetzen würde. Ich kenne aber eine Vielzahl von Patient*innen, die gar nicht gut mit dem Präparat zurechtkommen. Häufig bestehen Beschwerden, obwohl sie laut Ansicht ihrer Ärzte „gut eingestellt“ seien. Allerdings sind wir Menschen keine Maschinen, wir können nicht „gut eingestellt“ werden! Jeder Mensch reagiert unterschiedlich und „Normwerte“ in den Laborergebnisse beweisen noch lange nicht, dass es dem Menschen gut geht.

Erschreckend finde ich das Ergebnis einer Studie des Stockholmer Karolinska Instituts mit über 8,5 Millionen Menschen, die über einen bestimmten Zeitraum L-Thyroxin eingenommen haben. Die Krebsrate war bei Frauen um 8% und bei Männern um 6% erhöht. Bei Frauen handelte es sich vor allem um Brust- und Gebärmutterkarzinome. Künstliche Schilddrüsenhormone können weibliche Geschlechtshormone imitieren und somit massiv den Körper beeinflussen. Somit gehören die Schilddrüsenhormone mit in die Riege der Stoffe, die störend auf unser Hormonsystem wirken.

Prophylaxe ist wichtig

Ich halte es aus diesem Grunde für wichtig, alles dafür Mögliche zu tun, um das Hormonsystem gesund zu erhalten und Hormonstörungen vorzubeugen. Bei Schilddrüsenstörungen sollte der Jodstatus erhoben und auf eine ausreichende Zufuhr von Mikronährstoffen geachtet werden. Gerne beraten ich Sie. Termine werden nach Absprache vergeben.

 

Quellen:

https://www.arte.tv/de/videos/069096-000-A/umwelthormone/bis 23.10.2020

Planet e „Risiko Umwelthormone“ ZDF 2019

https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/schilddruesenerkrankungen/

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3782.pdf

https://www.gelbe-liste.de/onkologie/krebsrisiko-levothyroxin