Wenn die Wolken immer dunkler werden – neue Therapiemöglichkeiten bei Depressionen?!

Depressionen sind die häufigste psychiatrische Erkrankung. Fast jeder 5. Mensch ist einmal im Leben davon betroffen, die Tendenz ist weltweit steigend. 4-6 Monate dauert eine Depression im Durchschnitt und sie kann immer wieder kommen. Kennen Sie das Gefühl, wenn die Wolken immer dunkler und bedrohlicher werden?

Depressionen: neue Hoffnung für die Therapie

Depressionen: neue Hoffnung für die Therapie

Bei der Forschung nach mögliche Ursachen rückt immer mehr der Zusammenhang zwischen Depressionen, Immunsystem und chronischen Entzündungen in den Focus.

Depressionen können durch chronische Entzündungen entstehen

Tatsache ist, dass das Immunsystem die Gehirnfunktion regulieren kann, beide sind miteinander verbunden. Entzündungen beeinflussen unsere Emotionen. Kleinste, chronische Entzündungen haben somit einen dauerhaft negativen Effekt auf unser Wohlbefinden. Wenn es dem Immunsystem nicht gelingt, diese zum Abklingen zu bringen, so können sich Depressionen entwickeln. Die Gehirnzellen produzieren dann ebenfalls Entzündungsstoffe, sogenannte Zytokine. Diese legen Antrieb und Stimmung des Betroffenen lahm. Der Körper schaltet auf Krankheitsmodus: Traurigkeit, Desinteresse, Appetitlosigkeit und sozialer Rückzug sind die Folgen.

Forscher haben Tests mit bestimmten Entzündungssubstanzen durchgeführt – je höher die Entzündungswerte stiegen, desto höher waren die depressiven Symptome. Das Fatale ist, dass viele Menschen chronische Entzündungen haben, ohne es zu wissen oder zu merken. Der Fachbegriff hierfür lautet „silent inflammation“ – lautlose Inflammation.

Die klassische „Therapie“ bei Depressionen sind Antidepressiva. Deren Wirkung setzt (wenn überhaupt) aber erst nach 2-4 Wochen ein. Wenn das verschriebene Mittel jedoch nicht wirkt, dann wird testweise erst die Dosis erhöht und wenn das dann auch nicht wirkt, dann wird das nächste Medikament ausprobiert. Bis eine Linderung der Symptome eintritt, kann somit viel Zeit vergehen. Für den Patienten ist diese Zeit mit erheblichem Leid verbunden!

Ursachen finden, statt Einnahme von Antidepressiva

Die Basis der gängigen Antidepressiva ist die Annahme, dass bei einer Depression zu wenig Botenstoffe im Gehirn vorhanden sind, die unsere Stimmung aufhellen. Nervenzellen benötigen diese Botenstoffe, um miteinander kommunizieren zu können. Antidepressiva sorgen für eine verminderte Wiederaufnahme dieser Botenstoffe, damit der Patient mehr davon zur Verfügung hat. Die Motivation, Stimmung und Antrieb sollen hierduch gesteigert werden. Allerdings besteht keine Klarheit über die wirkliche Wirkweise dieser Medikamente. Wann sie besser wirken als Placebos ist zweifelhaft. Nur in 50% der Studien gibt es ein eindeutiges Resultat, dass Antidepressiva besser wirken als Placebo. Ihre Wirksamkeit wurde in den medizinischen Veröffentlichungen überbetont, negative Studienergebnisse unter Verschluss gehalten.

Dies wirft die Frage auf, warum nicht mehr über den Zusammenhang zwischen Entzündungen und Depressionen erforscht und veröffentlicht wird. Bei Stress aktiviert der Körper aus evolutionären Gründen das Immunsystem, da Stress eigentlich zu einer Kampf- oder Fluchtreaktion führt. Entzündungsfördernde Stoffe werden bereits vor einer Verletzung ausgeschüttet, damit eindringende Krankheitskeime sofort bekämpft werden können. Nach einer Verletzung signalisieren die Moleküle dem Körper, auf Krankheitsmodus zu schalten um alle Energie der Heilung der Verletzung zur Verfügung zu stellen. Diese biologischen Abläufe sind heute immer noch vorhanden, obwohl Stress heutzutage allermeistens emotionaler Ursache ist und nicht mit Verletzungen einher geht.

Der Körper läuft somit immer auf Hochtouren, statt mal eine Stufe runter zu fahren. Stresshormone haben einen großen Einfluss auf die Immunzellen. Das Immunsystem gerät so aus dem Gleichgewicht. Dauerstress macht nicht nur die Seele krank, sondern auch den Körper.

Forscher haben nun herausgefunden, dass traumatische Erfahrungen in der Kindheit, körperliche wie psychische, auch noch nach Jahren zu einer erhöhten und anhaltenden Aktivierung des Immunsystems führen. Die Entwicklung des Gehirns wird negativ beeinflusst. Der Körper bleibt ein Leben lang in Alarmbereitschaft und der Mensch reagiert empfindlicher auf Stress und neigt schneller zu Entzündungen. Dies erzeugt eine erhöhte Alarmbereitschaft im Gehirn.

Studien belegen jetzt, was schon bei Kenntnis von Biochemie schon lange bekannt ist

Wenn Entzündungen Depressionen verursachen, warum dann aber nicht die Entzündungen bekämpfen? In einer Studie der Charité Berlin wird nun an einer Antibiotika Behandlung gegen Depressionen geforscht. Ich finde den Ansatz spannend und gut. Allerdings befürchte ich, dass der Einsatz von Antibiotika zu Folgeproblemen in der Gesundheit, vor allem bei dem Mikrobiom (der Darmflora) führt.

Auf der anderen Seite ist schon lange bekannt, dass Tryptophan die Vorstufe von Serotonin ist. Serotonin gilt als das „Glückshormon“. Antidepressiva versuchen dieses Hormon dem Gehirn vermehrt zur Verfügung zu stellen. Schauen wir uns mal den Stoffwechsel der Aminosäure Tryptophan an, welche die Vorstufe für Serotonin bildet. Bei einer Überaktivierung von bestimmten Zellen des Immunsystems wird Tryptophan nicht, oder nur vermindert zu Serotonin umgewandelt. Stattdessen wird Chinolinsäure produziert. Diese gilt als neurotoxisch – also giftig für unsere Nerven und das Gehirn. Psychiatrische Erkrankungen, wie Depressionen können die Folge eines erhöhten Chinolinsäurespiegels sein. Auch für Angststörungen, Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose gilt Chinolinsäure (= Qinolinsäure) als Ursache.

Da Serotonin wiederum die Vorstufe des Schlafhormons Melatonin ist, können auch chronische Schlafstörungen die Folge einer chronischen Entzündung sein.

Ein weiterer Teil des Tryptophans wird zu Kynurenin umgewandelt mithilfe eines bestimmten Enzyms (IDO). Kynurenin und Kynureninsäure spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Entstehung neuropsychiatrischer oder -degenerativer Erkrankungen.

Was bedeutet das für Sie?

Was bedeutet dies nun aber für die Praxis? Zum einen sollte unter keinen Umständen leichtfertig zu Präparaten mit Tryptophan gegriffen werden, um mehr Glückshormon oder Schlafhormon zu erlangen. Denn wenn sich der Körper im Entzündungszustand befindet, dann werden vermehrt neurotoxische Substanzen gebildet. Eine Depression kann sich dadurch noch verstärken, da Nerven und Gehirn noch mehr Giften ausgesetzt werden.

Bei Depressionen oder neurodegenerativen Erkrankungen sollte daher begleitend zu einer weiteren Therapie immer der Tryptophanstoffwechsel überprüft werden, mittels Urintests oder Blutanalysen. Entstehen Abbauprodukte wie Chinolinsäure im Übermaß, dann steht eine entzündungshemmende Therapie im Vordergrund. Diese kann mit Mitteln der Naturheilkunde sehr gut durchgeführt werden. Vereinbaren Sie einen Termin für Analysen und gezielte Therapien, ich freue mich auf Ihren Anruf!

Ursache für Depressionen finden

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Quellen:

Labor Biovis

https://www.wissenschaft-frankreich.de/

Programm-Tipp 26.11.2018 auf ARD-alpha

https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha

oder in der Mediathek:

https://www.ardmediathek.de/