„Wissenschaftlich anerkannt“ – welche Bedeutung hat eigentlich diese Aussage?

Warum gelten die meisten naturheilkundlichen Behandlungen eigentlich als nicht wissenschaftlich anerkannt? Und wer profitiert davon?

Sogenannte Doppelblindstudien gelten in der Medizin meistens als der einzig akzeptable und gültige Wirksamkeitsnachweis eines Medikaments oder einer Therapiemethode. Dabei gibt es zum einen auch andere wissenschaftlich anerkannte Studienmethoden, wie bspw. Fall- und Verlaufsstudien, die sich für manche Methoden wesentlich besser eignen. Zum anderen ist es gängige Praxis unerwünschte Ergebnisse einfach nicht zu veröffentlichen. Ist das eine Wissenschaft, die Wissen schafft?

buchachon_photo/Shotshop.com

Ist nur „wissenschaftlich anerkannt“ wirklich gut? ® buchachon_photo/Shotshop.com

Wenn wir uns mal anschauen, wie eine Doppelblindstudie durchgeführt wird, dann wird schnell klar, warum für naturheilkundliche Behandlungen diese Methode ungeeignet ist. Wir brauchen erst einmal eine große Anzahl Patienten mit einer eindeutigen Diagnose. Bluthochdruck ist ein schönes Beispiel. Der Naturheilkundler versteht diesen als Symptom und würde versuchen zu ermitteln, was den Bluthochdruck denn auslöst. Für unsere Studie ist aber nur relevant – wie kann mein neues Medikament das Symptom ausschalten?

Hierfür werden die zu Behandelnden in zwei Gruppen geteilt. Die eine Hälfte erhält das richtige Medikament, die andere ein Scheinmedikament, das ganz genauso aussieht wie die richtige Pille. Die Patienten sind die eine Seite der „Blinden“. „Doppelblind“ bedeutet in den Studien jedoch, dass auch der Therapeut nicht weiß, ob sein Patient ein Medikament erhält oder nur eine Zuckerpille. So soll eine bewusste und unbewusste Beeinflussung ausgeschlossen werden.

Nach einer festgelegten Zeit werden beide Gruppen verglichen, in diesem Beispiel deren Blutdruckwerte. Nur wenn die Werte der mit dem tatsächlichen Medikament behandelten Patienten statistisch signifikant besser sind, dann spricht man von einem wissenschaftlich anerkannten Beweis für die Wirksamkeit des Medikaments.

Doppelblind = 1mal sehend? Warum funktioniert das nicht in der Naturheilkunde?

Warum funktioniert das aber nicht für naturheilkundliche Behandlungen? Das liegt an der ganzheitlichen Betrachtung der naturheilkundlich arbeitenden Therapeuten. Körper, Geist und Seele können nicht getrennt werden und aus diesem Grunde wird der Mensch individuell nach seinen Bedürfnissen therapiert. Wir versuchen, der Ursache auf den Grund zu gehen und diese zu beseitigen – und eben nicht nur an Symptomen rumzuschrauben. Daher können wir Naturheilkundler keine Studie unterstützen, die darauf abzielt, möglichst vielen Patienten mit demselben Symptom ein bestimmtes Medikament zu geben. Unsere Therapien erfolgen individuell auf die Bedürfnisse des Patienten bezogen, nur dann sind sie auch wirksam.

Es gibt einige Studien beispielsweise über die Wirksamkeit von sogenannten Komplexhomöopathika. Diese Medikamente beinhalten mehrere potenzierte Einzelmittel, die sich in ihrer Wirkung ergänzen sollen. Einige dieser Präparate sind für eine bestimmte Indikation „zugelassen“. Dieser Zulassung liegt ein wissenschaftlicher Nachweis oder klinische Studien zugrunde. Solche Studien können sich aber nur große Hersteller leisten, da sie extrem teuer sind.

Studien sind teuer und müssen bezahlt werden

Die meisten Hersteller von naturheilkundlichen Präparaten sind aber kleinere, mittelständische Unternehmen. Diese haben schlichtweg nicht die finanziellen Mittel für große Studien und deren Präparate gelten dann als „registriert“. Das heißt, sie stellen kein Risiko für den Patienten dar, dürfen aber auch keine therapeutische Indikation tragen. Dann steht bei diesen Medikamenten eben nicht im Beipackzettel: gegen Erkältung oder Magenschmerzen, sondern hier liegt es am Können und Wissen des Therapeuten, das richtige Mittel für seinen Patienten auszuwählen.

Gute Therapieergebnisse werden häufig als Placeboeffekt oder auf Zufall basierende Spontanheilung abgewertet. Das kann ja durchaus auch einmal der Fall sein, denn in der Tat haben unsere Selbstheilungskräfte und die Wirkung des Geistes, bspw. durch den Glauben an eine Methode, entscheidenden Einfluss auf die Heilung. Aber dies anzuerkennen ist nicht wissenschaftlich und würde bedeuten, die Bedeutsamkeit von Medikamenten herabzusetzen. Interessanterweise entwickeln manche Testpersonen, die das Placebo erhalten haben, Nebenwirkungen, die eigentlich nur bei dem tatsächlichen Medikament auftreten können. Dieses Phänomen nennt man „Nocebo-Effekt“ und ist ein weiterer Beweis für den Zusammenhang zwischen Geist und Körper.

Wissenschaftlich anerkannt – oder verschwunden in Archiven?!

Weitgehend unbekannt ist, dass nachweislich viele Studien in den Archiven verschwinden und nicht veröffentlicht werden, sofern das Ergebnis nicht das erwünschte Resultat ergibt. Infolgedessen werden viele Patienten mit Medikamenten behandelt, deren Risiken höher sind als bekannt und der Nutzen geringer als angenommen. Therapeuten werden im Glauben gehalten, dass Sie das Beste für Ihre Patienten verschreiben. So hat Beate Wieseler, die Leiterin des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), bereits 2010 gesagt: „Das hat zur Folge, dass Ärzte und Patienten Therapien einsetzen, die in Wahrheit nutzlos oder sogar schädlich sind“. Die einzigen Profiteure dieser Praxis sind die Pharmaunternehmen.

Vor diesem Hintergrund kann ich nur den Kopf schütteln über den sturen Glauben, dass nur „wissenschaftlich anerkanntes“ wahres Wissen schafft… Aber zum Glück hat jeder Mensch einen eigenen Kopf zum Denken!

Quellen: