Wenn Antidepressiva glücklich machen, dann ist die Erde eine Scheibe…

Seitdem vor ein paar Jahren eine Patientin mit der Bitte zu mir kam, ich möge ihr dringend helfen von den verschriebenen Medikamenten gegen ihre Depression (sogenannte Antidepressiva) runter zu kommen, interessiert mich dieses Thema brennend.

Was sind die gängigsten Nebenwirkungen und wie häufig werden Antidepressiva verschrieben? Und haben Sie für die Patienten überhaupt irgendeinen Nutzen? Die besagte Patientin litt unter extremem Herzrasen. Sie konnte nicht mehr schlafen und war einfach nur fertig. Es ging ihr kein bisschen besser als zu Beginn ihrer Behandlung – nur anders schlecht.

Laut Robert-Koch-Institut erkrankt in Deutschland fast jeder Fünfte im Laufe seines Lebens an einer Depression. Und bei drei von vier bleibt es nicht bei einer einmaligen Erkrankung. Effektive Behandlungen verringern diese Rückfallquote jedoch in hohem Maße. Jedoch werden zunehmend häufiger Psychopharmaka als einzige Therapie verschrieben, denn die Wartezeiten für eine Psychotherapie sind lang. Medikamente sind jedoch immer verfügbar.

Dabei wirken nur Psychotherapien nachhaltig, haben keine unerwünschten Nebenwirkungen und dämpfen anders als Medikamente auch nicht den Elan des Patienten, sich mit seinen Problemen zu beschäftigen.

Lösen Antidepressiva Probleme?

Es werden heute in Deutschland 7 mal mehr sogenannte Antidepressiva verschrieben als noch vor 25 Jahren. Sind wir denn alle wirklich depressiver geworden? Im interessanten Buch „Unglück auf Rezept“ vertreten Peter und Sabine Ansari die These, dass ein gewisser gesellschaftlicher Druck besteht, immer glücklich zu sein und wir Trauer auch nach einem Verlust nicht mehr zulassen. Ich kann die Beobachtung teilen, dass ein unbedingtes „Funktionieren-müssen“ heute häufig zu beobachten ist.
Ich finde jedoch die Entwicklung, Depressionen nicht zu verheimlichen, sehr positiv. Es handelt sich hierbei um eine dringend behandlungsbedürftige Erkrankung und Sprüche wie „jetzt reiß dich doch mal zusammen“ sind nicht angebracht.

Zurück zum Thema: wem helfen Antidepressiva wirklich? Wenn ich mir den Beipackzettel bspw. von Fluoxetin anschaue (in den USA vor 30 Jahren unter dem Namen „Prozac“ als Glückspille mit wenigen Nebenwirkungen vermarktet) ist heute zu lesen, dass eine sehr häufige Nebenwirkung Schlaflosigkeit sei. Nicht schlafen zu können ist jedoch eine der Hauptprobleme, über die depressive Menschen klagen!

Zu den häufigen Nebenwirkungen gehört bei Duloxetin bspw. Antriebslosigkeit. Auch dies ist eines der Kernprobleme depressiver Menschen.
Mir erschließt sich nicht, wann die ursprüngliche Erkrankung behandelt wurde und wann die Nebenwirkungen beginnen…

Die Liste der Absetzprobleme, also der körperlichen und psychischen Reaktionen nach der Beendigung der regelmäßigen Medikamenteneinnahme, ist bei den meisten Antidepressiva lang. Umso länger die Einnahme ist und umso höher die Dosis, desto häufiger und schwerwiegender sind die Symptome, wie sich bspw. im Beipackszettel von Paroxetin lesen lässt. Ich finde diese Beipackzettel gruselig, und was meine Patienten berichten noch viel mehr.

Als Heilpraktikerin sehe ich meine Aufgabe, es gar nicht erst bis zum Ausbruch einer Depression kommen zu lassen. Ich gebe meinen Patienten Methoden an die Hand, ihre Resilienz, also ihre persönliche Widerstandskraft gegenüber Krisen, zu steigern.