Heilpraktiker abschaffen?

Im Mittelalter hat man die Hexen verbrannt, heute nutzt man andere Methoden. Schon seit Jahren gibt es Initiativen von Ärzten und Lobbyvertretern gegen die Heilpraktiker. Fleißig unterstützt werden diese Kampagnen durch die Medien. Eine „Krönung“ dieser Berichterstattung war Ende Oktober 2019 ein Beitrag im ARD-Magazin Panorama mit der Forderung: „Heilpraktiker abschaffen“.

Heilpraktiker Abschaffen Naturheilpraxis Muhr

Heilpraktiker Abschaffen Gk/Shotshop.com

In diesem Bericht werden Behauptungen aufgestellt, die mit der Realität nichts zu tun haben. Die ganze Berichterstattung stellt eine vollkommene Verzerrung der Sachlage dar und ist höchstens tauglich für das Privatfernsehen. Seriöser Journalismus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stelle ich mir anders vor. So behauptete der Leiter des Gesundheitsamts Berlin Reinickendorf: „Die Realität ist, dass die Heilpraktiker fast alles dürfen. Und dass es wesentlich weniger gefährliche Tätigkeiten gibt, zum Beispiel das Verkaufen von Würstchen, die viel stärker reguliert sind.“ Als Leiter eines Gesundheitsamtes sollte Herr Patrick Larscheid jedoch über die Gesetzeslage informiert sein.

Strenge Regeln gelten schon heute für Heilpraktiker

Für uns Heilpraktiker gelten dieselben gesetzlichen Regelungen wie für Ärzte in Bezug auf Hygiene, Patientenrechte, Sorgfaltspflicht, Arzneimittelsicherheit und Qualität von Medizinprodukten. Wir sind zur sorgfältigen und umfassenden Aufklärung der Patienten und zur Dokumentation verpflichtet. Wir haben Behandlungsverbote nach dem Infektionsschutzgesetz bei einer Vielzahl von Erkrankungen. Selbstverständlich dürfen wir keine Heilversprechen abgeben und auch keine rezeptpflichtigen Medikamente verordnen.

Warum der Gesundheitsminister Jens Spahn ein „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV)“ initiiert, das uns Heilpraktiker einschränken soll, verschreibungspflichtige Medikamente nur noch in Ausnahmefällen selbst herstellen zu dürfen entzieht sich meinem Verständnis. Denn wir dürfen jetzt schon keine verschreibungspflichtigen Medikamente herstellen oder verordnen. Diese Aussage ist medienwirksam, indem sie das Bild der Tätigkeiten der Heilpraktiker verzerrt darstellt. So erweckt sie doch den Eindruck, wir würden in unseren Hexenküchen Chemikalien zusammenpanschen um sie dann unseren Patienten zu verabreichen. Die „neue Regelung“ aus dem Gesundheitsministerium tangiert uns nicht, da dies längst geltendes Gesetz ist.

Interessenvertreter und Politik wollen die Heilpraktiker abschaffen

Immer wieder wird ein sehr bedauerlicher Fall eines offensichtlich einzelnen an Selbstüberschätzung leidenden Heilpraktikers aus Brüggen-Bracht aus dem Jahre 2016 zitiert, um eine ganze Berufsgruppe zu verunglimpfen. Der betreffende Heilpraktiker ist mittlerweile wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht gerichtlich verurteilt worden. Er hat gegen Gesetze verstoßen. Aber nur weil ein Einzelner in der Ausübung seiner Tätigkeit geltende Gesetze missachtet ist es nicht nachvollziehbar, warum alle anderen über 40.000 Heilpraktiker in Deutschland mit am Pranger stehen. Die ganze Diskussion dreht sich um die Frage, wie kann man Heilpraktiker abschaffen?!

Schwarze Schafe gibt es in allen Branchen. Laut Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) gab es 2018 14.100 gemeldete Behandlungsfehler bei Ärzten. Gegenüber den durchgeführten Behandlungen ist diese Zahl sehr gering. Genauso steht es auch mit etwaigen Pflichtverletzungen einzelner Heilpraktiker gegenüber den weit über 100.000 Kontakten täglich zwischen Heilpraktikern und Patienten.

Nebenbei bemerkt kommen übrigens 58.000 Todesfälle jährlich hinzu aufgrund von Neben- oder Wechselwirkungen zugelassener Medikamente, wie die Experten schätzen.

Gehen von Heilpraktikern wirklich Gefahren aus?

Um die „Gefährdungslage“ durch uns Heilpraktiker einzuschätzen zu können reicht eine Anfrage bei unseren Versicherern. Die Tatsache, dass unser Zuschlag bei der Haftpflichtversicherung sehr niedrig ist, zeigt das geringe Risiko bei einer durch uns durchgeführten Behandlung zu Schaden zu kommen. Wenn wir alle tatsächlich so viele Gesetze brechen und die Gesundheit unserer Patienten schädigen würden, so wären unsere Beiträge wesentlich höher.

Vor 4 Tagen zitierte das Ärzteblatt den Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer, Andreas Botzlar: „Wenn man es genau nimmt, gibt es für Heilpraktiker keine wirkliche Existenzberechtigung“. Ich finde dies eine Frechheit gegenüber den vielen Patienten, denen wir weiterhelfen können. Hat die durch uns herbei geführte Verbesserung ihrer Gesundheit und Steigerung der Lebensqualität etwa keine Existenzberechtigung?? Das ist zynisch und vermessen! Was ist mit den Menschen, die nach Durchlaufen aller Diagnostik einen „Psychostempel“ auf der Stirn haben und mit dem Spruch doch einfach den Stress zu reduzieren abgespeist werden?

Menschen, die zum Heilpraktiker kommen haben in den allermeisten Fällen eine Odyssee an Arztbesuchen hinter sich. Selbst wenn sie eine Diagnose haben, dann ist die Therapie oft nur symptom- und nicht lösungsorientiert. Ich könnte jetzt böse schreiben, dass der Medizinapparat halt nur am chronisch kranken Menschen verdient… Aber das Problem ist komplexer.

Alternative oder Ergänzung?

Ich sehe Heilpraktiker auch nicht als „Alternativmediziner.“ Für mich sind unsere Methoden eine Ergänzung zur Schulmedizin. Bei jedem Verdacht auf eine mögliche schwerwiegende Erkrankung verweise ich immer zurück an den Haus- oder Facharzt für eine umfangreiche Diagnostik. Ebenso respektiere natürlich ich das Behandlungsverbot bei bestimmten Erkrankungen oder alleine beim Verdacht darauf. Diese sind im Infektionsschutzgesetz klar geregelt.

Die meisten meiner Patienten haben aber die Möglichkeiten der Schulmedizin in der Regel schon alle durchlaufen und sitzen dann bei mir. Sie freuen sich oft schon einmal darüber, als Patient wahr- und ernstgenommen zu werden. Unsere Diagnostik umfasst andere Methoden. Diese haben durchaus ihre Daseinsberechtigung! Denn ohne Diagnose keine ursächliche Behandlung.

Neben der Homöopathie wird immer wieder die Bioresonanztherapie als typische Methode der Heilpraktiker genannt. Wahrscheinlich, weil sie keine wissenschaftliche Anerkennung genießt und alles, was unwissenschaftlich ist, angeblich nicht taugt – auch wenn die Behandlungsergebnisse für sich sprechen. Übersehen wird aber dabei, dass weltweit mehr als die Hälfte der Bicom Bioresonanzgeräte bei Ärzten eingesetzt werden! Ein Widerspruch?

Manager skeptisch gegenüber der Schulmedizin

Einer repräsentativen Umfrage der Max Grundig Klinik unter 1000 Führungskräften zufolge hält mehr als jeder 5. Manager in Deutschland wenig von den Methoden, mit denen ausgebildete Ärzte in Deutschland behandeln. Einer der Gründe liegt hierbei im Zeitmangel der Ärzte und einer zu starken Fokussierung auf den Einsatz von teuren Apparaten. Statt den Patienten in die Augen wird leider zu oft nur auf den Monitor geschaut.

Der Wirbel hat noch nicht wieder abgenommen. Die Bundesregierung hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Klarheit bringen soll, welchen Gestaltungsspielraum der Gesetzgeber im Fall einer Reform des Heilpraktikerrechts zur Stärkung der Patientensicherheit hätte. Eine mögliche Option sieht die Abschaffung des Heilpraktikerberufes vor. Abgesehen von verfassungsrechtlichen Bedenken stellt sich mir und vielen anderen die Frage, ob die Patienten dann „sicherer“ wären – und vor allem gesünder!? Immerhin entlasten wir die Budgets der Krankenkassen, da die meisten Patienten für ihre Behandlung bei uns selbst aufkommen müssen.

Was können Sie tun um Ihren Heilpraktiker*innen zu helfen?

Wenn Sie sich weiter über den Beruf der Heilpraktiker informieren möchten, dann empfehle ich die Seite Heilpraktikerfakten des Bundes Deutscher Heilpraktiker.

So wie ich erhalten viele meiner Kolleg*innen tolles Feedback und Dank durch unsere Patient*innen. Keiner von uns kann jeden heilen, manchmal versagen die Methoden auch. Das hat unterschiedliche Gründe. Falls Sie sich nun fragen, was Sie tun können um den Berufsstand der Heilpraktiker zu unterstützen, dann bitte ich Sie um positive Werbung. Wir leben von Weiterempfehlungen. Umso mehr der Heilpraktiker nicht mit Voodoo und dubiosen Machenschaften, sondern mit Heilerfolgen in Verbindung gebracht wird, desto weniger Erfolg hat die moderne Hexenverfolgung.

Haben Sie positive Erfahrungen mit der Behandlung Ihrer Heilpraktiker*in gemacht? Dann schildern Sie diese auf https://heilpraktiker-newsblog.de/patientengeschichten/

Jede positive Stimme zählt im Kampf für den Erhalt der Heilpraktiker. Danke!

Quellen:
https://www.mds-ev.de/
https://www.presseportal.de

https://www.sasse-heilpraktikerrecht.de/
https://www.aerzteblatt.de/
https://www.br.de/br-fernsehen/
https://www.regumed.de/