MCAS: Wenn der Körper überreagiert (Das Mastzell-Aktivierungs-Syndrom)

Viele Menschen leiden jahrelang unter ganz unterschiedlichen Beschwerden: immer wieder Verdauungsprobleme, Hautreaktionen, Herzklopfen, Atemnot, Erschöpfung oder Konzentrationsstörungen. Oft wechseln die Symptome, tauchen scheinbar ohne Grund auf und verschwinden wieder. Untersuchungen bleiben unauffällig – und am Ende heißt es nicht selten: „Alles in Ordnung.“ Eine mögliche Erklärung für solche Beschwerden ist das Mastzell-Aktivierungs-Syndrom, kurz MCAS.

Beim MCAS handelt sich um eine Störung des Immunsystems, die bislang noch wenig bekannt ist. Sie ist allerdings gar nicht so selten und wird immer häufiger diagnostiziert.

Was sind Mastzellen?

Mastzelle (Foto: ChatGPT)

Mastzelle (Foto: ChatGPT)

Mastzellen sind ein Teil unseres Immunsystems. Sie kommen fast überall im Körper vor – besonders dort, wo wir mit der Umwelt in Kontakt stehen: in der Haut, im Darm, in den Atemwegen und in der Nähe von Blutgefäßen und Nerven.

Ihre Aufgabe ist eigentlich sinnvoll. Sie sollen schnell reagieren, wenn der Körper bedroht wird – zum Beispiel durch Krankheitserreger oder Verletzungen. Dafür speichern Mastzellen viele verschiedene Botenstoffe, unter anderem Histamin. Wird eine Mastzelle aktiviert, gibt sie diese Stoffe ab und löst damit eine Abwehrreaktion aus.

Probleme entstehen, wenn diese Reaktion zu stark oder zum falschen Zeitpunkt abläuft.

Was passiert bei MCAS?

Beim Mastzell-Aktivierungs-Syndrom reagieren die Mastzellen überempfindlich. Sie schütten unkontrolliert ihre Botenstoffe aus, obwohl keine echte Gefahr besteht – oder deutlich stärker, als es nötig wäre.

Beim MCAS handelt sich nicht um eine klassische Allergie. Auch wenn die Symptome ähnlich sein können, liegt keine eindeutige allergische Reaktion vor. Die Mastzellen springen einfach zu leicht an.

Auslöser können ganz alltägliche Dinge sein, zum Beispiel:

  • bestimmte Lebensmittel
  • Zusatzstoffe in Nahrung oder Medikamenten
  • Stress oder emotionale Belastung
  • Hitze, Kälte oder körperliche Anstrengung
  • hormonelle Veränderungen
  • Infekte oder Umweltgifte

Nicht jeder Betroffene reagiert auf dasselbe, denn MCAS ist sehr individuell. Deswegen wird es auch häufig übersehen. Tückisch ist, dass die Patienten lange Zeit ohne Symptome sein können und sie dann plötzlich und anfallsartig auftreten, ohne dass Zusammenhänge klar werden.

Schlafmangel ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor. Denn zum einen ist ein guter Schlaf ein natürlicher Faktor zur Stabilisierung der Mastzellen. Zum anderen bauen wir während des Schlafs körpereigenes Histamin ab. Fehlt der Schlaf, dann läuft das Fass irgendwann über.

Welche Beschwerden können auftreten?

Da Mastzellen im ganzen Körper vorkommen, können auch die Symptome sehr unterschiedlich sein. Typische Symptome sind:

  • Verdauungsprobleme: Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen
  • Hautreaktionen: Juckreiz, Rötungen, Schwellungen, Nesselsucht
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden: Herzklopfen, Schwindel, Blutdruckschwankungen
  • Atembeschwerden: Kurzatmigkeit, Engegefühl in der Brust
  • Symptome des Nervensystems: Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen
  • Unverträglichkeiten gegenüber vielen Lebensmitteln oder Medikamenten

Typisch ist, dass die Beschwerden nicht immer gleich sind. Gute und schlechte Tage wechseln sich ab, manchmal treten Symptome zeitverzögert nach dem Essen oder nach Stress auf.

In meiner Praxis habe ich es schon mehrfach erlebt, dass die Patientinnen als psychisch instabil abgestempelt wurden. Dabei ist es zum einen kein Wunder, dass die oft jahrelange, erfolglose Suche nach einer Ursache für die teils schweren Symptome die Psyche beeinträchtigen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Ärzte nichts konkretes finden und alles nur auf die Psyche schieben. Auf der anderen Seite kann das MCAS ja auch die Nerven betreffen, sodass Angststörungen und Depressionen entstehen können.

Warum wird MCAS so oft übersehen?

MCAS ist schwer zu erkennen, weil es keinen eindeutigen Blutwert zur Diagnose gibt. Die Symptome ähneln vielen anderen Erkrankungen und die medizinischen Standarduntersuchungen sind häufig unauffällig.

Viele Betroffene erhalten zunächst Diagnosen wie Reizdarm, Histaminintoleranz, psychosomatische Beschwerden oder „Stress“. Aber wenn man das Gesamtbild betrachtet und andere Erkrankungen ausschließt, kommt MCAS als mögliche Ursache in den Blick.

Wie wird MCAS festgestellt?

Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, dass andere Erkrankungen zunächst zuerst ausgeschlossen werden müssen. Es gibt einige Laborparameter, die weiterhelfen können. Allerdings sind diese auch häufig unauffällig, obwohl ein MCAS vorliegt. Dies liegt häufig an dem Umstand, dass die Untersuchungen in symptomfreien oder -armen Zeiten erfolgen.

Wichtig sind daher die genaue Krankengeschichte und möglichst ein Symptom- und Ernährungstagebuch. Auch das Ansprechen auf bestimmte Medikamente kann zur Diagnosestellung gewertet werden.

Die Diagnose erfordert meistens viel Geduld. Denn eine Vielzahl von Faktoren können mit dem MCAS in Verbindung stehen.

Was hilft bei MCAS?

Eine Heilung im klassischen Sinn gibt es bislang nicht. Ziel der Behandlung ist es zum, die Mastzellen zu beruhigen durch das Erkennen und Meiden persönlicher Trigger und eine möglichst frische, unverarbeitete Ernährung. Der gezielte Einsatz von Medikamenten und Mikronährstoffen kann helfen.

Neben der Behandlung eventueller Hormonstörungen (v.a. Schilddrüse und ein Progesteronmangel) ist es in jedem Falle wichtig, den Darm zu unterstützen durch eine individuelle Therapie.

Sollten Sie unter den genannten Symptomen leiden, oder anderen hier nicht aufgeführten und keiner konnte Ihnen bislang helfen, so sollten Sie das MCAS in Erwägung ziehen. Vereinbaren Sie einen Termin, ich freue mich.

 

Quellen:

„Der Histamin Irrtum“, Kyra und Sascha Kauffmann, VAK Verlag

„MCAS erkennen, verstehen und behandeln“, Sabine Mühlbauer, Natur und Heilen Ausgabe 02/2026