Sind Heilpraktiker tatsächlich gefährlich und rechtsextrem?

Die ARD hat sich eines alten Themas aus der Klamottenkiste bedient und neu aufgewärmt. Es stellt sich die Frage ob es sich lohnt, sich darüber aufzuregen oder man es besser sein lassen sollte. Der Angriff auf die Heilpraktiker in den Medien geht mir aber doch zu weit, als dass ich meinen Mund halten kann. So habe ich u.a. eine Programmbeschwerde an den WDR und NDR/ARD-aktuell gesendet habe und mich in einem persönlichen Schreiben beim zuständigen Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums über seine pauschal diffamierenden Äußerungen gegenüber meiner Berufsgruppe beschwert. Wie kommen Medienberichte darüber zustande, Heilpraktiker seien gefährlich, antisemitisch und rechtsextrem?

Sind Heilpraktiker gefährlich und antisemitisch? Foto © Markus Mainka/Shotshop

Sind Heilpraktiker gefährlich und antisemitisch? Foto © Markus Mainka/Shotshop

Am 09.11.2020 hat die ARD zum wiederholten Male eine pauschale und unsachliche Verunglimpfung des gesamten Berufsstandes der Heilpraktiker gesendet. Zur besten Sendezeit um 20:15 wurde ein Bericht mit dem Titel: „Heilpraktiker: Quacksalber oder sanfte Alternative“ gezeigt, in dem die Arbeitsweise von 47.000 deutschen Heilpraktikern anhand des groben Fehlverhaltens eines einzelnen Heilpraktikers vor 4 (!) Jahren über einen Kamm geschert wird. Weder in Bezug auf Wahrheit noch auf Sachlichkeit wurde in der Berichterstattung Wert gelegt.

Erfreulich ist, dass die Sendung zum einen eine relativ geringe Einschaltquote hatte. Andererseits wurden in den folgenden Tagen 3369 größtenteils kritische Bewertungen auf der Seite der ARD abgegeben. Das waren so viele, dass die Kommentarfunktion mittlerweile geschlossen wurde…

Wieso sind Heilpraktiker gefährlich?

Es wird in dieser Reportage behauptet, Patienten würden sich durch das Aufsuchen eines Heilpraktikers „wirklich in Gefahr begeben“. Beweise für diese Aussage werden nicht erbracht, was auch nicht möglich sein wird, da sie komplett den Tatsachen widerspricht. 46 Millionen Patientenkontakte pro Jahr (laut BDH) werden anhand von einem Einzelfall pauschal diffamiert. Nicht nur wir Heilpraktiker*innen werden hierdurch verunglimpft – auch unseren Patient*innen spricht der Beitrag ihre Urteilsfähigkeit ab, wenn sie uns ihr Vertrauen schenken.

Objektivität vs. Meinungsmache

Die Berichterstattung zum Thema der Heilpraktiker dient einer einseitigen Meinungsmache und ist nicht objektiv. Dass die weit überwiegende Zahl der Heilpraktiker verantwortungsvoll tätig ist und eben keine Gefahr durch uns ausgeht, wird unter anderem aus den extrem niedrigen Beiträgen zur Berufshaftpflichtversicherung deutlich. Wären wir so gefährlich wie in dem Bericht dargestellt, so wären unsere Policen deutlich teurer. Eine Berufshaftpflichtversicherung eines Heilpraktikers kostet bei der „Continentale“ derzeit 90€ jährlich bei einer Versicherungssumme von 3 Millionen Euro für Personen- und Sachschäden. Ein Allgemeinarzt zahlt dagegen 866€ bei der gleichen Versicherungssumme. (Heilpraktiker-Fakten)

In dem zitierten und tragischen Einzelfall wurde nachweislich gegen geltendes Recht verstoßen. Schwarze Schafe gibt es jedoch in allen Berufsgruppen. Dies ist aber keine Grundlage dafür, alle Heilpraktiker pauschal als nicht ausreichend ausgebildet und unverantwortlich handelnd zu bezeichnen.

Heilpraktiker-Ausbildung gibt es nicht zum Discountpreis

Als diffamierend empfinde ich auch die Aussage, wir würden mit einer Billigausbildung von 1450€ befähigt, um als Heilpraktiker tätig zu werden. Zu Discountpreisen erhält man keine Ausbildung! Alleine die Grundausbildung kostet bis zu 9.000€ je nach Institut und Intensität. Hinzu kommen die Kosten für die Fachausbildungen und regelmäßigen Weiterbildungen, die ebenfalls durch uns selbst finanziert werden. Die Kosten für meine Aus- und Weiterbildungen liegen bei mehr als dem 15fachen der genannten Summe.

Es trifft auch nicht zu, dass wir Heilpraktiker mit esoterischen Methoden arbeiten wie dargestellt wird. Meine Patienten wissen, dass ich zur Diagnosestellung nahezu immer diverse Laboruntersuchungen heranziehe und nicht auf Verdacht hin therapiere.

Eine Frechheit ist auch die Behauptung, wir würden in Bezug auf die Vorschriften für Sorgfalt und Hygiene unterhalb der Standards von Friseuren liegen. Selbstverständlich gelten für eine Heilpraktikerpraxis dieselben hohen Hygienevorschriften wie für Arztpraxen.

Auch aus journalistischer Sicht ist der Bericht fraglich. So ist er voller Suggestivfragen, die der Manipulation des Zuschauers dienen und in einer seriösen Reportage nichts zu suchen haben, insbesondere nicht bei einem öffentlich-rechtlichen Sender.

Einseitige Interviewpartner geben kein ausgewogenes Meinungsbild

Die Auswahl der Interviewpartner entspricht nicht dem Gebot der Ausgewogenheit. Der Rechtsanwalt Dr. Ehlers hat 1995 ein gegenüber Heilpraktikern kritisches Buch veröffentlicht. Die hauptsächlich interviewte Frau Prof. Hübner ist Sprecherin des „Münsteraner Kreises“, einem Zusammenschluss von Ärzten, der seit Jahren die Abschaffung der Heilpraktiker fordert. Dies wird den Zuschauern aber nicht mitgeteilt, sodass diese im Glauben bleiben, es handele sich um eine objektive Interviewpartnerin. Dabei spricht sie selbst am Ende der Sendung von „wir“, ohne dass klar wird, wer damit gemeint ist.

Die Autorin des gesendeten Beitrags ist Beirätin bei „Medwatch“, einem Internetportal, dass vorgeblich der Recherche verpflichtet ist, aber vor allem durch negative Aussagen gegenüber Heilpraktikern und alternativer Medizin auffällt. Medwatch wird unter anderem vom Deutschen Konsumentenbund finanziert. Alleine in 2020 erhielten Medwatch Spenden in Höhe von 12000€ vom Deutschen Konsumentenbund laut eigenen Angaben auf ihrer Seite. „Das Geschäftsmodell des DKB ist es, Heilpraktiker z.B. für Webseiten abzumahnen, Abmahngebühren einzutreiben und HPs vor Gericht zu zerren.“ So ist auf der Seite Heilpraktiker-Newsblog zu lesen.

Der ganze Beitrag ist kein sachlicher Report sondern reine Lobby-Arbeit, finanziert durch unsere Rundfunkgebühren.

Lesen Sie hier meine Beschwerde an den WDR.

Sind Heilpraktiker gleichzusetzen mit Reichsbürgern und Rechtsextremen!?

Die zweite fast noch unglaublichere Aussage wurde vergangene Woche vom Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung getätigt. Im Zusammenhang mit der Beobachtung einer zunehmenden Radikalisierung unter den Teilnehmern der Anti-Corona Demos kam dieser für mich ungeheuerliche Ausspruch, der es am selben Tag auch in die Tagesschau bspw. um 1700 gebracht hat:

„Von Heilpraktikern über sogenannte Reichsbürger bis hin zu offen Rechtsextremen. Es sind die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen mit wenig oder gar keinen Berührungspunkten, die derzeit Seite an Seite gegen die Corona Maßnahmen demonstrieren. Sie verbinde der Glaube an eine Verschwörung und Judenhass. So der Antisemitismus Beauftrage der Bundesregierung Klein in Berlin. Er warnte vor einer neuen gefährlichen Entwicklung.“

Bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ist in der Tat eine einzelne Heilpraktikerin mit sehr zweifelhaften Aussagen aufgefallen. Was aber bitte bewegt jemanden dazu, verallgemeinernd Heilpraktiker und offen Rechtsextreme in einen Topf zu werfen? Woher bitte kommt die Auffassung, Heilpraktiker wäre Antisemiten? Oder wir glauben an Verschwörungstheorien? Dies ist eine infame Behauptung, gegen die ich mich entschieden wehre.

Meiner Empörung gegenüber dieser Aussage habe ich Herrn Dr. Felix Klein, der diese getätigt hat, bereits schriftlich mitgeteilt. Ebenso habe ich den Chefredakteur der Tagesschau meine Entrüstung über den Wortlaut in seiner Nachrichtensendung geäußert. Einen ganzen Berufsstand mit verfassungsfeindlichen Gruppierungen wie Reichsbürgern gleichzusetzen ist ungeheuerlich.

Mir machen diese Entwicklungen wirklich langsam Sorge. In welchen Ruf gerät mein Beruf, den ich mit Leidenschaft ausübe?! Wer steckt eigentlich hinter diesen ganzen Entwicklungen?

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