Gesunde Zähne sind die Basis für einen gesunden Körper. Der Mund hat mehr Einfluss, als Sie vielleicht denken. Wenn Sie noch keine guten Vorsätze für das neue Jahr haben, dann vielleicht, sich mehr um Ihre Zähne und das Zahnfleisch zu kümmern?
Zähne und Zahnfleisch stehen in enger Wechselwirkung mit der Gesundheit des gesamten Körpers. Schmerzen, Entzündungen oder chronische Infektionen von Zähnen und Zahnfleisch können weitreichende Folgen haben, die über die Mundhöhle hinausgehen. Vor allem, wenn Probleme wie Karies und Parodontitis über längere Zeit unbehandelt bleiben.
Warum regelmäßige Zahnuntersuchungen so wichtig sind
Eine gute Mundhygiene allein reicht nicht immer aus, um Zahnerkrankungen zu verhindern. Regelmäßiges Putzen und die Nutzung von Zahnseide sind eine grundlegende Voraussetzung, aber sie ersetzen nicht die regelmäßigen Kontrollen beim Zahnarzt.
Laut WHO leidet fast die Hälfte der Menschheit unter einer Krankheit der Mundhöhle. Karies ist dabei die mit Abstand häufigste, gefolgt von Erkrankungen des Zahnfleischs, wie Parodontitis. Karies entsteht durch bakterielle Zersetzung der Zahnoberfläche. Dass sie unbehandelt zu Abszessen, Schmerzen und Zahnverlust führen kann ist allgemein bekannt. Kennen Sie aber den Zusammenhang mit chronischen Infektionen und dem erhöhten Risiko für systemische Entzündungen, also Entzündungen im ganzen Körper?
Parodontitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates, die sich meist schleichend entwickelt und über lange Zeit keine Schmerzen verursacht. Genau das macht sie besonders tückisch, denn während die Betroffenen sich oft gesund fühlen, schreiten Entzündungsprozesse und der Abbau von Zahnfleisch und Kieferknochen unbemerkt voran.
Zahnfleischentzündungen bleiben lange unbemerkt
Am Anfang steht häufig eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Das Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und blutet gelegentlich beim Zähneputzen. Schmerzen treten in dieser Phase in der Regel nicht auf oder werden höchstens als leichte Empfindlichkeit wahrgenommen. Diese Vorstufe kann Wochen bis Monate bestehen. Wenn sie rechtzeitig behandelt wird, ist sie in der Regel vollständig heilbar.
Erfolgt keine Behandlung, dann geht die Entzündung tiefer und es entwickelt sich eine frühe Parodontitis. Erste Zahnfleischtaschen entstehen. Hier dringen Bakterien in den Zahnhalteapparat ein und der Knochenabbau beginnt. Typische Symptome sind Zahnfleischbluten, ein leichter Rückgang des Zahnfleisches oder auch Mundgeruch. Schmerzen fehlen meist vollständig. Da noch kein Leidensdruck vorhanden ist, bleiben viele Menschen lange Zeit in diesem Stadium, ohne zu merken, dass bereits eine chronische Erkrankung vorliegt. Aber bereits in diesem Stadium kann ein weitreichender Einfluss auf den gesamten Körper entstehen.
Im weiteren Verlauf schreitet der Knochenabbau dann weiter fort, die Zahnfleischtaschen werden tiefer und die Entzündung wird dauerhaft. Zahnfleischrückgang und anhaltender Mundgeruch nehmen zu, manchmal kommt es zu einem diffusen Druckgefühl. Schmerzen treten jedoch auch in diesem Stadium häufig nicht auf. Diese Phase kann sich über viele Jahre erstrecken, teilweise fünf bis zehn Jahre oder länger.
Bis Schmerzen oder eitrige Entzündungen entstehen und die Zähne locker werden, können Jahre vergehen. Der Grund, warum eine Parodontitis so lange schmerzfrei verläuft, liegt darin, dass Zahnfleisch und Kieferknochen relativ wenige Schmerzrezeptoren besitzen und der Abbauprozess langsam erfolgt. Der Körper passt sich an die chronische Entzündung an, ohne frühzeitig deutliche Warnsignale zu senden.
Da es keine frühen schmerzhaften Warnzeichen gibt, bleibt der Zustand lange unbemerkt. Umso wichtiger sind regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen, bei denen auch ohne Beschwerden entzündliche Veränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können – bevor dauerhafte Schäden entstehen und der gesamte Organismus belastet wird.
Krankes Zahnfleisch kann den gesamten Körper belasten
Denn Zahn- oder Zahnfleischinfektionen können Bakterien und Entzündungsstoffe in die Blutbahn freisetzen, was eine Belastung für den gesamten Organismus darstellt. Verschiedene systemische Erkrankungen werden damit in Verbindung gebracht.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Zahlreiche Studien zeigen, dass Personen mit Parodontitis ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, einschließlich Herzinfarkt, Schlaganfall und Atherosklerose. Chronische Entzündungen können die Gefäßwände schädigen und die Bildung von Plaques in den Arterien fördern.
Parodontitis und unbehandelte Karies sind eben nicht nur lokale Erkrankungen der Mundhöhle. Sie stellen chronische Entzündungsherde dar, die den gesamten Organismus beeinflussen können. Der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen beruht auf mehreren sich gegenseitig verstärkenden Faktoren.
Ein zentraler Punkt ist die dauerhafte Belastung mit großen Mengen entzündungsfördernder Bakterien im Mundraum. Durch die entzündeten Schleimhäute und Zahnfleischtaschen können diese Keime sowie deren Stoffwechselprodukte regelmäßig in den Blutkreislauf gelangen. Dies erfolgt insbesondere beim Kauen, Zähneputzen oder bei Entzündungsschüben. Diese wiederholten sogenannten Bakteriämien sind eine permanente Belastung für das Herz-Kreislauf-System.
Gleichzeitig setzt die lokale Entzündung im Mund eine Vielzahl von entzündlichen Botenstoffen frei, wie Interleukine, Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) und C-reaktives Protein (CRP). Häufig sehe ich erhöhte Werte von CRP bei den Laborwerten meiner Patienten, ohne dass diese wissen, woher diese kommen können. Vielleicht das Zahnfleisch? Diese Botenstoffe gelangen in den Blutkreislauf und fördern eine systemische Entzündungsreaktion.
Schlechtes Cholesterin oder schlechte Zähne?
Chronisch erhöhte Entzündungswerte gelten als ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von Atherosklerose, der „Arterienverkalkung“. Diese ist wiederum einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen. Entzündungsprozesse können übrigens auch den Fettstoffwechsel stören. Dies kann die Ursache für hohe Cholesterinwerte sein, vor allem vom LDL – dem „schlechten“ Cholesterin. Statt reflexhaft zur Cholesterinsenkern zu raten, sollten die Ärzte ihre Patienten erst einmal bitten, Zähne und Zahnfleisch kontrollieren zu lassen. Davon hat mir aber bislang aber noch niemand berichtet.
Ein weiterer, gefährlicher Mechanismus betrifft die Gefäßinnenwände, das Endothel. Entzündungsmediatoren und Bakterien können dessen Funktion stören. Dadurch verlieren die Gefäße ihre Flexibilität, was den Blutdruck erhöhen und die Durchblutung verschlechtern kann. Zudem wird die Anlagerung von Fett- und Immunzellen in den Gefäßwänden begünstigt. Dies ist ein entscheidender Faktor bei der Entstehung von Herzinfarkt und Schlaganfall.
Auch die Blutgerinnung wird durch chronische Entzündungen beeinflusst. Entzündungen aktivieren das Gerinnungssystem und steigern damit die Gefahr von Thrombosen. Dies ist insbesondere bei Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen relevant.
Karies spielt in diesem Zusammenhang vor allem dann eine Rolle, wenn sie tief fortgeschritten ist und zu chronischen Entzündungen, Wurzelentzündungen oder Abszessen führt. Auch hier entstehen bakterielle Dauerherde, die das Immunsystem kontinuierlich aktivieren und systemische Entzündungsprozesse unterhalten.
Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und eine konsequente Behandlung von Entzündungen im Mund sind deshalb nicht nur Maßnahmen zum Zahnerhalt, sondern ein wichtiger Bestandteil der präventiven Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Rheuma
Desweiteren besteht ein gut belegter Zusammenhang zwischen Parodontitis und bestimmten Formen von Gelenkentzündungen, insbesondere der rheumatoiden Arthritis, da beide Erkrankungen chronisch-entzündliche Prozesse sind, die mit Gewebe- und Knochenzerstörung einhergehen.
So produziert bspw. ein bestimmtes Bakterium (Porphyromonas gingivalis) ein Enzym, das zur Citrullinierung von körpereigenen Proteinen führen kann. Diese so veränderten Proteine werden vom Immunsystem als fremd erkannt, was zur Bildung von bestimmten Antikörpern führt. So entstehen Anti-Citrullin-Antikörpern (ACPA). Diese sind ein sehr früher und spezifischer Marker der rheumatoiden Arthritis. Sie können schon lange vor dem Ausbruch des „Rheuma“ nachgewiesen werden. P. gingivalis gilt somit als möglicher Trigger für die Autoimmunreaktion bei genetisch disponierten Personen.
Diabetes
Parodontitis und Diabetes mellitus stehen in einer wechselseitigen Beziehung. Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Parodontitis. Deswegen empfiehlt es sich besonders für Diabetiker, regelmäßige den Zahnarzt aufzusuchen. Gleichzeitig kann eine bestehende Parodontitis die Blutzuckerkontrolle verschlechtern, was Diabetes weiter verschlimmern kann.
Krebs und andere systemische Erkrankungen
Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass chronische Entzündungen aus dem Mundraum mit einem erhöhten Risiko bestimmter Tumorarten einhergehen könnte. Dazu zählt vor allem ein erhöhtes Risiko für Mundhöhlen-, Speiseröhren-, Lungen-, Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Auch in diesem Zusammenhang sind es die chronisch systemischen Entzündungen mit der Freisetzung bestimmter Entzündungsmarker im Blut, die die Entstehung und den Anstieg von Krebs fördern.
Einer der wichtigsten Schritte für Ihre Gesundheit ist es also, regelmäßig Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt wahrzunehmen. Mindestens einmal im Jahr sollte das geschehen, besser noch häufiger. Dies betrifft vor allem Menschen mit Vorerkrankungen und bekannten „schlechten Zähnen“.
Quellen:
https://link.springer.com/article/10.1186/s12903-023-03668-7
https://www.bzaek.de/praevention/mund-und-allgemeingesundheit.html
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39770344/
https://www.fdiworlddental.org/oral-infectioninflammation-risk-factor-systemic-diseases
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36923959/
https://www.researchcorridor.org/index.php/jdc/article/view/184
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