Cholesterin – lebenswichtiger Helfer oder tödlicher Feind?

verstopft Cholesterin die Blutgefäße oder was spielt wirklich eine Rolle?

verstopft Cholesterin die Blutgefäße oder was spielt wirklich eine Rolle? (Foto: Grok)

Cholesterin gilt in der Schulmedizin weiterhin als zentraler Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Cholesterinsenker wie Statine sind weltweit die meistverordneten Medikamente. Aus ganzheitlicher und naturheilkundlicher Sicht ist Cholesterin jedoch ein lebensnotwendiges Molekül, das der Körper zu über 80–90 % selbst in der Leber herstellt. Erhöhte Werte sind in den meisten Fällen kein primäres Problem, sondern ein Symptom und ein Warnsignal für tieferliegende Dysbalancen: chronische Entzündungen, Insulinresistenz, oxidativer Stress, chronischer Stress, Leberbelastung oder Darmstörungen.

Während die konventionelle Medizin immer mehr Menschen mit Medikamenten behandeln möchte, fragen sich viele Patienten und unabhängige Experten: wer profitiert eigentlich? Sind es wirklich die Patienten – oder vor allem die Pharmaindustrie?

Aktuelle Kontroverse

Im September 2025 berichtete der Schweizer Rundfunk SRF über eine erneute Debatte um die Cholesterin-Therapie. Auslöser waren die neuen Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie. Diese Leitlinien senken die Zielwerte für LDL-Cholesterin weiter und empfehlen Statine (und bei Bedarf zusätzliche Wirkstoffe) für fast alle Erwachsenen ab ca. 40–50 Jahren mit moderatem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kritik hieran kommt von Hausärzten und unabhängigen Experten. Die Leitlinie überbewerte Cholesterin als Risikofaktor und stufe andere Faktoren (Blutdruck, Rauchen, Diabetes, Entzündung) zu wenig ein. Dadurch droht eine Übermedikalisierung gesunder Menschen.

Auch haben mehrere Autoren der Leitlinie Verbindungen zur Pharmaindustrie durch Beratertätigkeiten und Honorare.

Die Befürworter argumentieren mit besserer Risikovorhersage und neuen Studien, die einen klaren Nutzen von niedrigeren LDL-Werten zeigen würden, auch bei breiteren Bevölkerungsgruppen. Ich habe bereits vor 3 Jahren hierzu einen Artikel veröffentlicht: „Hoher Cholesterinspiegel – echte Gefahr oder Panikmache?“

Diese Debatte zeigt, warum ein ganzheitlicher Ansatz für viele Menschen attraktiver wird. Statt möglichst viele Menschen möglichst früh und lebenslang medikamentös zu behandeln, sollte versucht werden, die Ursachen zu beheben und den Körper ins Gleichgewicht zu bringen.

Die wahren Funktionen von Cholesterin

Cholesterin ist unverzichtbar für viele Körperfunktionen:

  • Stabilität und Fluidität der Zellmembranen
  • Bildung von Steroidhormonen (Cortisol, Östrogen, Testosteron, …)
  • Synthese von Vitamin D
  • Produktion von Gallensäuren (Fettverdauung)
  • Aufbau der lipidreichen Isolierschicht (Myelinscheiden) im Gehirn und Nervensystem

Niedriges Cholesterin kann sogar problematisch sein (erhöhtes Risiko für Depressionen, Infektionen, Demenz, Krebs in manchen Studien).

Warum die Angst vor Cholesterin oft übertrieben ist

Cholesterin an sich ist nicht automatisch „böse“. Viel entscheidender als der reine LDL-Wert (das sogenannte „schlechte“ Cholesterin) ist, wie dieses LDL-Cholesterin aussieht und wie es sich im Körper verhält. Stellen Sie sich LDL wie kleine Transportkügelchen vor, die Fett durchs Blut fahren. Wenn diese Kügelchen oxidiert werden – also durch schädliche Stoffwechselprozesse „ranzig“ werden – oder wenn im Körper eine dauerhafte Entzündung herrscht, dann kleben sie sich viel leichter an die Innenwände der Blutgefäße an. Dort lösen sie Entzündungen aus und tragen so zur Entstehung von Plaques (Gefäßverkalkung) bei. Das ist der eigentliche Beginn der Arteriosklerose – nicht das Cholesterin selbst.

Außerdem kommt es stark auf die Größe der LDL-Partikel an: kleine, sehr dichte LDL-Kügelchen sind besonders gefährlich. Sie dringen leichter in die Gefäßwand ein, bleiben dort länger hängen und fördern Entzündungen. Große LDL-Partikel sind dagegen deutlich harmloser.

Auch Triglyceride spielen eine wichtige Rolle

Ein weiterer sehr wichtiger Hinweis ist das Verhältnis zwischen Triglyceriden (eine andere Art von Blutfetten) und HDL (dem „guten“ Cholesterin). Wenn die Triglyceride hoch und das HDL niedrig sind, ist das ein starkes Warnsignal – oft sogar aussagekräftiger als der LDL-Wert allein. Dieses ungünstige Verhältnis sieht man häufig bei Insulinresistenz, Übergewicht und zu viel Zucker und Weißmehl in der Ernährung. Das Verhältnis von Triglyceriden zu HDL sollte unter 1,8 liegen.

Auch Entzündungsmarker im Blut spielen eine riesige Rolle. Besonders wichtig ist das hs-CRP. Dabei steht hs für „high sensitive“, es ist also ein sehr empfindlicher Entzündungswert. Auch Interleukin-6 ist wichtig für die Beurteilung. Wenn diese Werte dauerhaft erhöht sind, bedeutet das, dass im Körper eine stille Entzündung läuft, die die Gefäße schädigt. Denn erst dann wird LDL richtig gefährlich.

Am Ende zählt immer das gesamte Bild: wie hoch ist der Blutzucker? Wie ist der Blutdruck? Ist viel Bauchfett ist vorhanden? Wie sieht der Lebensstil aus, also Bewegung, Stress, Schlaf, Rauchen, Ernährung? Erst wenn man all diese Faktoren zusammen betrachtet, erkennt man das echte Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Kurz gesagt: nicht „hohes LDL = automatisch gefährlich“. Sondern: oxidiertes, entzündetes, kleines und dichtes LDL in einem Körper mit viel Entzündung, Insulinproblemen, Bauchfett und ungünstigem Lebensstil: das ist die gefährliche Kombination.

Mögliche Ursachen

Die möglichen Ursachen erhöhter Cholesterin-Werte sind vielfältig:

  • Chronische (stille) Entzündungen
  • Langanhaltender Stress / Cortisol-Überproduktion
  • Insulinresistenz / hoher Zuckerkonsum führt zu kleinen, dichten LDL-Partikeln
  • Leber- und Gallenstau
  • Darmdysbiose
  • Bewegungsmangel
  • Schlafmangel
  • Mikronährstoffmängel

Ein plötzlicher, starker Anstieg des LDL nach den Wechseljahren ist kein Zufall. Denn wenn der Körper keine Sexualhormone mehr bildet, dann bleibt der Grundbaustein Cholesterin einfach liegen. Bei Männern läuft dieser Prozess langsamer ab. Aber auch sinkendes Testosteron führt zu nicht benötigtem Cholesterin.

Auch sollte der Cholesterinspiegel während, bzw. nach einer Hormonersatztherapie beobachtet werden. Vereinfacht erläutert: während der Therapie werden die Hormone von außen zugeführt. Der Körper merkt, dass bspw. ausreichend Östrogen da ist und reduziert die Bildung von Cholesterin in der Leber, bzw. fängt die nicht benötigten LDL-Partikel ab. Nach Absetzen der Therapie kehrt der Körper schnell wieder auf sein ursprüngliches Level zurück, bzw. der LDL-Spiegel steigt verhältnismäßig rasch wieder an.

Die ganzheitliche Medizin sucht nach den Ursachen

Der naturheilkundliche Weg fragt immer nach der Ursache: warum ist der Cholesterinspiegel erhöht? Welche Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder Lebensstilfaktoren liegen vor? Eine gezielte Ursachenbehandlung kann den Wert bei vielen Menschen deutlich verbessern – oft ohne Medikamente und mit vielen positiven Nebeneffekten (bessere Energie, weniger Entzündungen, stabileres Hormonsystem).

Bei sehr hohen Werten, familiärer Hypercholesterinämie oder bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleibt aber eine ärztliche Begleitung wichtig. Ideal ist die Kombination mit ganzheitlicher Ursachensuche, naturheilkundlicher Unterstützung und meistens auch einer Lebensstilveränderung.

Hören Sie auf Ihren Körper und lassen Sie sich individuell beraten. Ich freue mich auf Ihren Anruf.

Quellen:

https://leitlinien.dgk.org/files/Dyslip_Netzseite_DGK_neu.pdf

https://www.srf.ch/news/zwist-um-medikamentenabgabe-cholesterin-therapie-profitieren-die-patienten-oder-die-pharma