Die Milch macht’s!

Mit diesem Werbeslogan wurden wir jahrelang in die Irre geführt und es hat sich in den Köpfe eingebrannt, dass Milch unerlässlich für ein gesundes Leben sei. Meine Mutter war noch davon überzeugt, dass sie sich das Handgelenk gebrochen habe, weil sie keine Milch verträgt. Aber auch in der jüngeren Generation ist dieses Vorurteil verbreitet, die Milch sei doch so wichtig für gesunde Knochen. Kluge Vermarktung dummer Aussagen haben leider oft Erfolg – für die Kassen der Unternehmer.

Aber was macht die Milch denn eigentlich? Sicherlich nicht „müde Männer munter“ – wie es noch in den 50er Jahren hieß. In der Nachkriegszeit wurde Milch so als der erste Energy-Drink vermarktet. Dabei hat Milch wenn überhaupt eher einen beruhigenden Effekt…. Zu dumm aber auch….

Die Milch macht's - aber nicht gesund

Die Milch macht’s – aber nicht gesund

Wieso trinken wir aber überhaupt Milch? In weiten Teilen der Welt wird dies nicht getan – trotzdem haben die Menschen dort nicht schon in jungen Jahren brüchige Knochen. Im Gegenteil: Osteoporose ist bei uns häufiger vertreten als in Asien.

Für unsere Vorfahren stellte der Konsum von Milch noch einen Vorteil dar, deswegen hat die Evolution mit Beginn der Viehhaltung vor ca. 7500 Jahren dafür gesorgt, dass wir das Enzym Laktase besitzen. Dieses ist wichtig um den Milchzucker Laktose verdauuen zu können. Laktoseunverträglichkeit ist somit keine Krankheit, sondern der natürliche Zustand eines ausgewachsenen Menschen, der sich nicht mehr von Muttermilch ernährt.

Bei der Milch unserer Vorfahren handelte es sich um Rohmilch – also um ein unbehandeltes Nahrungsmittel, das viele Enzyme, Mineralstoffe und Vitamine, vor allem auch Vitamin D enthielt. Daher machte es damals durchaus Sinn, dass die Menschen in sonnenarmen Regionen sich an den Verzehr gewöhnt haben.

Die heute behandelte und länger gelagerte Milch aus der Massentierhaltung hat mit diesem Nahrungsmittel jedoch kaum mehr etwas gemein. Sie enthält deutlich weniger Vitamine, als die Rohmilch „glücklicher“ Kühe, die artgerecht gehalten und gesund ernährt werden.

Wieso ist Milch nicht gesund?

Woher stammt nun aber das Vorurteil, dass Milch trinken vor Osteoporose schützen würde? Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der die Knochendichte aufgrund eines gesteigerten Abbaus von Knochengewebe abnimmt. Dies führt zu vermehrten Frakturen, hauptsächlich von Wirbelkörpern und Oberschenkelknochen. Hauptsächlich sind Frauen nach den Wechseljahren von dieser Krankheit betroffen, aber auch Männer können hierunter leiden.

Calcium ist das am stärksten vertretene Mineral in unserem Körper. Unsere Knochen sind der Hauptspeicher hierfür. Wir benötigen es für Muskelkontraktionen, Nervenfunktion, Blutgerinnung und diverse Stoffwechselvorgänge. Auch verlieren wir am Tag über Urin und Schweiß ca. 300mg. Hat der Körper nun zu wenig Calcium zur Verfügung, bedient er sich an den Vorräten – er geht an seine Speicher. Dies führt zur Entmineralisierung und somit zu brüchigen Knochen. Es ist somit sehr wichtig, unserem Körper durch die Ernährung wieder ausreichend Calcium zuzuführen.

Zurück zur Milch… 1 Liter Milch enthält 1,2 g Calcium. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfiehlt eine Aufnahme von 1,2 g Calcium für Jugendliche und 1g für Erwachsene pro Tag. 3 große Latte macchiato wären somit doch eigentlich ideal… Oder nein?

Milch steigert das Risiko für Knochenbrüche!

Bereits im Jahr 2014 hat eine Studie der Uppsala Universität in Schweden mit über 100000 Menschen ein für viele überraschendes Ergebnis gebracht. Uppsala – hoppsela: Milch ist gar nicht so gesund! Ein hoher Milchkonsum steigert sogar das Risiko für Knochenbrüche – und es erhöht das Sterberisiko, insbesondere bei Frauen. Mit jedem Glas Milch pro Tag erhöht sich demnach das Sterberisiko um 15%!

Die Ursache sehen die Forscher in einem Molekül, das vornehmlich in der Milch enthalten ist: D-Galactose. Dieses Molekül fördert im Körper chronische Entzündungsreaktionen und steigert den oxidativen Stress. Im Gegensatz zum Verzehr von Milch konnte keine Steigerung der Entzündungsmarker durch den Genuss von Joghurt und Käse festgestellt werden. Die Fermentierung der Milch scheint sich somit positiv auf deren Verträglichkeit auszuwirken.

Kuhmilch ist für Kälber gemacht

Kuhmilch ist für Kälber gemacht

Ist es so verwunderlich, dass Milch nicht gesund ist? Kuhmilch ist die Nahrungsquelle für kleine Kuhbabys – für die Kälber. Im Tierreich findet sich nirgendwo sonst eine Art, die nicht arteigene Muttermilch trinkt! Kuhmilch zeigt ein hohes Allergiepotential und kann als einer der auslösenden Faktoren für Neurodermitis und Allergien angesehen werden. Gerade Kinder mit einer familiären Veranlagung sollten daher keine Milch trinken.

Milch macht sauer

Milch und Milchprodukte werden im Körper sauer verstoffwechselt. Übersäuerung ist ein großes Problem, dem ich ständig in meiner Praxis begegne. Unsere Ernährung mit viel Zucker, Weißmehlprodukten und viel Fleisch, Alkohol und Softdrinks macht uns sauer. Stress macht uns sauer. Milch, Joghurt und Käse machen sauer. Gemüse und Obst sind basisch – aber statt 80% unserer Nahrung auszumachen, fristen sie eher ein Schattendasein auf den Tellern. Um säurebildende Nahrungsmittel verstoffwechseln zu können benötigt der Körper basische Mineralstoffe – unter anderem auch Calcium. Dies bedeutet, dass wir mehr Calcium beim „Genuss“ eines Glases Milch verbrauchen, als dem Körper hierdurch zugefügt werden. Die Geschichte von der gesunden Milch ist somit ein Märchen. Eines ohne Happy End…

Wählen Sie gesunde Nahrungsmittel für Ihre Calciumversorgung. Broccoli und Grünkohl, Hasel- und Paranüsse, Sesamsamen, calciumreiche Mineralwässer und vor allem Kräuter und Wildkräuter sind gesunde Calciumlieferanten. Lassen Sie sich von mir beraten, was Sie noch für Ihren Mineralstoffhaushalt tun können.

Ich wünsche gute Appetit!

Quellen:

BMJ

DGE

Ärztezeitung